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Startseite - Prignitz im Blick - Geschichten und Legenden aus der Prignitz

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Die Geschichte vom Pilar

PostmeilerZwischen Plattenburg und Bad Wilsnack steht ein alter Postmeiler. Warum steht hier mitten im Weg so ein großer Stein, so fragen sich viele Touristen, die unser Städtchen besuchen. Die Antwort finden wir in einer alten Sage aus dem 18.Jh.. Die Bentwischer Großbauern waren eigenwillig und konnten sich nicht so recht mit den preußischen Grundgesetzen anfreunden. So geschah es, daß König Friedrich der II. persönlich zu den Bentwischer Bauern fuhr. Jetzt wollte er ihnen zeigen, wer hier der Herr im Lande sei. Auf seinem Rückweg, kam ihm die Kutsche des Herrn von Saldern von der Plattenburg entgegen. Herr von Saldern Plattenburg lag mit seinem Cousin Herr von Saldern Wilsnack in Uneinigkeit. Herr von Saldern wich der entgegenkommenden Kutsche nicht aus. Er rief: "Mach mir Platz, denn ich bin der Herr von Saldern und dieser Weg gehört mir." Die Antwort lautete: "Und ich bin der Kleine aus Potsdam. Wenn wir uns das nächste Mal begegnen, dann möge doch bitte der Eine von uns links und der Andere rechts herum fahren. Ein Stein soll hier an dieser Stelle stehen." So geschah es auch. Dieser Pilar, auch im Volksmund Postsäule genannt, wurde für den Kreuzungsweg aufgestellt.

Das Hostienwunder von Wilsnack

Im Jahre 1300 wurde das bescheidene Kirchdorf Wilsnack erstmals erwähnt, und wahrscheinlich hätte es weiter als einsame Waldsiedlung durch die Jahrhunderte gedämmert, wäre nicht hier am 16. August 1383 jenes Wunder geschehen, von dem man noch heute schwärmt. An diesem denkwürdigen Tag erschien der fehdegierige Ritter Heinrich von Bülow in Wilsnack und brannte die Dorfkirche nieder. Pfarrer Johann Cabbuez traute seinen Augen nicht, als er in den rauchenden Trümmern drei unversehrte Hostien und "auf wunderlike Wys unde von gödliker Schickunge" auf jeder einen Blutstropfen entdeckte. Keinen Augenblick zweifelte der Pfarrer, dass er soeben einem Hostienwunder beigewohnt hatte, denn die Blutstropfen konnten nur aus den Wunden Christi stammen. Rasch drang die Kunde vom Wilsnacker Hostienwunder zum Havelberger Bischof Dietrich. Der Kirchenmann nutzte die Gunst der Stunde, um seine schwindsüchtigen Kassen durch den Bau einer Wallfahrtskirche zu füllen. So entstand zwischen 1348 und 1430 die Wilsnacker "Wunderblutkirche", und das einst verträumte Dorf wurde einer der begehrtesten Wallfahrsorte Deutschlands. Vom ergiebigen Pilger- und Ablassgeschäft aber finanzierten die Havelberger Bischöfe den Ausbau ihres Domes sowie der nahen Plattenburg zur bischöflichen Nebenresidenz.

Der Roland von Perleberg

Roland von PerlebergIn der Hauptstadt der Prignitz überdauerte einer der schönsten steinernen Rolande die Wirren der Jahrhunderte. Noch heute steht das Kunstwerk des ausgehenden Mittelalters auf dem Perleberger Marktplatz. Vier und einen viertel Meter misst der Sandsteinkoloss, der sich durch die reiche Verzierung seiner schweren Wehr von allen überlebenden Rolande abhebt. Die stolze Ritterfigur trägt keine Kopfbedeckung über dem kurz gehaltenen Haupthaar, welches der trotzige Vollbart herausfordernd ergänzt. In der linken Hand hält der Recke den Schild mit den märkischen Wappen-Adler, während die rechte Hand abwehrbereit das eiserne Schwert trägt. Wer den oktomalen Roland-Sockel genauer betrachtet, der entdeckt ein verwittertes Relief mit Episoden aus der legendären Herkules-Sage. Die stolze Rolandfigur stand viele Jahre im Mittelpunkt eines heiligen Gelehrtenstreites. Einziger Streitpunkt war das Entstehungsjahr des Perleberger Rolands. Man hatte nämlich zwei voneinander abweichende Hinweise über das "Geburtsjahr" des steinernen Riesen gefunden. Eine Eintragung entdeckte man im "Roten Buch" der Stadt. Hier wird im Jahre 1498 einem Meister für die Anfertigung einer Rolandfigur der gebührliche Lohn bestätigt. Das zweite Dokument befindet sich am Roland selbst. In seinem Stützpfeiler ist die Jahreszahl 1546 eingemeißelt. Heute scheint der "Geburtenstreit" über den Perleberger Roland entschieden. Die stolze Jahreszahl 1498 wird als Entstehungsdatum angenommen. Immerhin trat Perleberg bereits 1239 mit einem im März schriftlich erteilten Schuhmacherprivileg und der im Oktober nachgereichten Stadtgründungsurkunde aus dem Dunkel der Geschichtslosigkeit. 1364 gewährte dann Ludwig der Römer der Prignitz-Stadt Zollfreiheit, die die Bürger zum Aufstellen eines Rolandes berechtigte. Bleibt noch die Sockelzahl der Statue. Sie erinnert daran, dass 1546 Kurfürst Joachim II zu Perleberg das Landgericht der Prignitz zusprach.

Die Judenklemme auf der Eldenburg

Judenklemme auf der EldenburgAls während der Regierungszeit Joachims I die Juden in der Mark arg verfolgt wurden, flüchteten ihrer viele nach Mecklenburg, Hamburg und Lüneburg. Sie musste an der Eldenburg vorbei. Dort war der schmale Damm durchs Eldenburch durch einen Schlagbaum versperrt, und der Burgherr, ein Ritter von Quitzow, verlangte einen hohen Wegzoll. Wer nicht gutwillig zahlte, kam in die Judenklemme. Er musste sich auf ein Hufeisen setzen, das in die Mauer eingelassen und eben nur so groß war, dass jemand gerade darauf sitzen konnte. Es war so hoch angebracht, dass der Gefangene nur mit den Fußspitzen den Boden berührte. Der Leib wurde durch eine Doppelkette an die Wand gekettet, der Hals durch ein Halseisen gesteckt, die ausgestreckten Arme und Hand- und Armschellen an die Wand geschlossen. In dieser Klemme ließ Quitzow die Juden so lange schmachten, bis das Lösegeld zur Stellen war. Da kam eines Tages ein ehrwürdiger weißhaariger Jude mit seiner Tochter zum Schlagbaum. Er verweigerte dem Wächter die verlangten zwei Gulden Wegzoll, weil er zu Fuß ginge und auch gar nicht so viel Geld besäße. Zu dem Streit kam der Burgherr selber hinzu. Vergeblich flehte ihn der Jude an, ihn ziehen zu lassen. Er sei kein Kaufmann, sondern ein armer Rabbi aus Stendal. Als das Quitzow hörte, lachte er ihn aus und sagte: "Da du ein Rabbi bist, musst du 100 Goldgulden zahlen. Deine Tochter mag zu deinen Leute laufen und das Geld herbeischaffen! Du bleibst solange im Turm, bis das Geld da ist." Mit harten Schlägen wurde das Mädchen vertrieben, der Jude aber in der Klemme gesetzt. Am anderen Morgen fragte ihn der Quitzow, ob er zahlen wolle. Statt der Antwort stimmte Rabbi ein Trauerlied an. Da schlug der Ritter die Tür zu und ging davon. Das gleiche geschah am nächsten Morgen. Die ehrwürdige Erscheinung des Juden hatte aber doch auf Quitzow Eindruck gemacht, und der Klagegesang kam ihm die ganze Nacht nicht aus dem Sinn. Am dritten Morgen befahl er deshalb, den Juden in einen Wagen zu setzen und nach Dömitz über die Grenze zu schaffen. Als der Ritter eben selbst sehen wollte, ob und wie sein Befehl ausgeführt wird, fand er auf dem Schlosshof die Tochter des Juden mit Stammesgenossen, die das Lösegeld brachten. Ärgerlich wies Quitzow dies zurück mit den Worten: "Behaltet euer Geld und macht, dass ihr mit dem Alten wegkommt!" Man eilte zum Turm und kam eben zurecht, den Alten sterben zu sehen. Noch rief er seinem Mörder zu: "Es steht geschrieben: Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der die Sünden der Väter heimsucht an den Kindern" - dann hauchte er seine Seele aus. Schnell wurde der Tote befreit. Wehklagend trugen ihn die Juden auf den Wagen und führten ihn davon. Das Lösegeld warf das Mädchen dem Ritter mit einem Fluch vor die Füße. Seitdem hat der Quitzow keinen Juden mehr in den Turm gesetzt. Immer, wenn ihm solcher begegnete, erschien ihm der sterbende Alte vor Augen und hinderte ihn an neuerlichem Frevel. Der Fluch des Rabbi aber sollte sich später an seinen Söhnen erfüllen.

Links: www.lenzener-elbtalaue.de

Die kleine Dott

Kleine DottMärchen und Sagen wurden in der Prignitz über Jahrhunderte weitergegeben. Eine der phantasievollsten Figuren der neueren Zeit ist die kleine Dott. Erschaffen von der Schriftstellerin Tamara Ramsay, wandert das blonde Bauernmädchen mit den graublauen Augen durch die Prignitz. In einer wundersamen Nacht zur Sommersonnenwende, gingen ihre Eltern zum Johannisfeuer in Mellen. Dott musste zu Hause auf ihre Geschwister aufpassen. Um das Feuer, das jedes Jahr am 24. Juni, dem Johannistag, entfacht wird zu sehen, lief sie hinterher. Zur Mitternachtsstunde soll ihr die Blüte der Rennefarre (Rainfarn) in die Schuhe gefallen sein, so dass es für die Menschen unsichtbar und ganz klein wurde. Und nicht nur dies: Plötzlich konnte die kleine Dott die Sprache der Tiere ringsum verstehen. Fortan durchreiste sie die Prignitz, fliegt auf Gurian, dem Fischreiher, über die Lenzener Elbtalaue, stößt in Deutschlands storchenreichstem Dorf Rühstädt auf den Storch Heinotter, erkundet zusammen mit dem Raben Cornix die Kurstadt Bad Wilsnack und lässt sich von der Schleiereule Schuhu etwas über die Familie Gans Edle Herren zu Putlitz erzählen. Die kleine Dott kann sogar Geister sehen und Frau Harke, die Wächterin der Tiere und Pflanzen, die in einer Höhle tief im Berg wohnt. Seitdem sagt man, wer in der Johannisnacht Reenefarre in seine Schuhe steckt, der wird unsichtbar wie die kleine Dott. Aber Vorsicht, wieder sichtbar zu werden ist nicht so einfach.

Links: www.landkreis-prignitz.de, www.kleine-dott.de

Die Legende vom Räuber Heine Klemens

Vor 600 Jahren lebte im Hainholz der Räuber Heine Klemens. Er überfiel Kaufmannswagen und Bauernfuhrwerke und fügte den Pritzwalkern großen Schaden zu. Im Hainholz hatte er eine unauffindliche Höhle. Dort hielt er ein Mädchen gefangen, welches ihm die Wirtschaft führte. Auf Flehen des Mädchens ließ er sie frei, nahm ihr jedoch den Schwur ab, das Versteck nicht zu verraten. Daheim versuchte man ihr auf alle Weise das Geheimnis zu entlocken. Das Mädchen aber blieb, aus Angst vor dem Räuber und um ihren Eid nicht zu brechen, verschwiegen. Sie willigte jedoch ein, ihr Geheimnis einem Backofen anzuvertrauen. Darin hatten sich jedoch zuvor zwei Männer versteckt, die so alles hörten. So fand man Klemen´s Kuhle, fing ihn und richteten ihn auf dem offenen Markt in Pritzwalk hin. Im Pritzwalker Rathaus kann noch heute der eiserne Panzer und das Schwert des Räubers bewundert werden. In Pritzwalk wurde in Anlehnung an diese Überlieferung ein Wirtshaus errichtet, das den Namen "Räuber Klemens" trägt. Hierbei handelt es sich um eine Gaststätte und Kneipe mit mittelalterlichem Flair, in dem einmal im Monat ein Räuberessen wie im Mittelalter stattfindet.

Links: www.raeuber-klemens.de

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